Julian Reich ist ein ziemlich cooler Typ

Erschienen in der August-Nummer des Magazins kultchur

Geben Sie es zu: Auch Sie haben es schon mal getan, aus Langeweile, Neugierde oder Eitelkeit: Sie haben sich selbst gegoogelt. Keine Angst, da ist nichts anrüchiges dabei. Mit dem Internet ist einfach eine weitere Möglichkeit hinzugekommen, wie uns unsere Mitmenschen wahrnehmen können. Sich selber googlen ist deshalb ein wenig wie in den Spiegel schauen, bevor man das Haus verlässt.

Manchmal sieht man darin sich selber, manchmal auch nicht. Meistens wirds erst dann spannend. Wenn Joachim B. Schmidt, der hier normalerweise die Zeilen füllt, einmal sein B. weglässt, stösst er auf einen Manager und Fussballfunktionär aus Deutschland. Ursprünglich studierte dieser Joachim Schmidt Mathematik und promovierte zum Thema “Beinahe zerfallende Sequenzen für Gitter über Ordnungen”. Man kann diesen Titel tausendmal lesen und versteht ihn noch immer nicht. Da macht es unser Joachim mit seinen Büchern besser.

Dennys Cuevas wiederum gibt es mindestens drei auf dieser Welt. Mit dem Herausgeber dieses Hefts bin ich auf Facebook befreundet. Dabei wäre mir Dennys Cueva aus Ecuador ebenso lieb, denn die hat lange lockige Haare und trägt ein Nirvana-T-Shirt. Sorry Dennys, aber diese Dennys ist unbestreitbar hübscher als du.

Julian Reich wiederum ist ein ziemlich cooler Typ. Zumindest der, der in Rochester USA geboren wurde und seit einiger Zeit in Berlin wohnt. Wir sehen uns sogar ein wenig ähnlich: kurzsichtig, dürr, schlecht rasiert. Julian ist Regisseur. Neben Musikvideos für Kunden wie Universal und Sony BMG hat er Dokuserien für Sender wie ZDF, ARD und SAT1 gedreht. Und jetzt ein Satz, den ich sehr gerne schreibe: Julian Reichs Arbeiten wurden mit einem Grimmepreis und den deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sein erster Langfilm “Krieger Vater König” feierte seine Premiere auf dem DOK.fest in München und kommt im September in die Kinos. Wenn ich das so lese, bin ich für einen kurzen Moment fast ein wenig Stolz.

Auf Facebook gibt es natürlich mehr als mich und den Filmemacher. Etwa den Julian, der wie der Klassensprecher eines Elite-Colleges aussieht. Offenbar macht er gerne Klimmzüge, gleich zwei Mal hat er seinen aufgepumpten Körper von hinten auf Facebook gepostet. Golf spielt er auch. Hoppla, ein anderer Julian hat tatsächlich sein Studium in Harvard begonnen, wenn auch 2011. Seither ist nicht viel passiert auf seinem Profil, zumindest öffentlich. Wie es Julian wohl geht? Ich nehme mir vor, einen Facebook-Chat zu starten mit allen Julian Reichs dieser Welt. Damit wir uns selbst ein wenig besser kennenlernen.