Wissenschaft vermitteln – wozu, weshalb, warum?

Im April durfte ich einen Workshop zum Thema populärwissenschaftliches Schreiben an der Uni Bern geben – hier ein paar Gedanken dazu.

Wissenschaftler und Journalisten sind Brüder im Geiste: Beide sind – idealerweise – auf der Suche nach der Wahrheit. Oder zumindest streben sie nach der wahrestmöglichen Darstellung eines Sachverhaltes. Dabei bedienen sie sich je nach Fachrichtung ähnlicher Mittel und Methoden.

Gerade mit den Geisteswissenschaften ist die Verwandtschaft offenkundig: Quellen werden erarbeitet, sortiert, beurteilt und auf ihren Gehalt abgeklopft. Der nächste Schritt ist die Vermittlung der Information: an Wissenschaftler, Leser, Bürger, Politiker, Kinder, usw. Und das in den meisten Fällen in Text- oder Bildform.

Wissenschaft und Journalismus teilen einen weiteren Aspekt: Beide stehen unter Druck. Die digitale Revolution hat die Verteilung von Information von den Druckerpressen unabhängig gemacht. Und die Verleger, die zuvor ein Monopol auf Papier und Druckerschwärze hatten, wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Ausser dass sie Redaktionsbudgets kürzen, zum Beispiel bei den Wissenschaftsseiten.

Nicht viel anders ist die Lage in Wissenschaft und Forschung. Budgeterhöhungen sind in der Bildungspolitik Meldungen mit Seltenheitswert. Das mag daran liegen, dass noch immer nicht überall erkannt wird, wie wichtig Bildung für eine Gesellschaft wie die Schweiz sein kann. Zudem spielt auch hier die Digitalisierung hinein: Das Internet hat Kakophonie an die Stelle von Common Sense treten lassen.

Meinungen potenzieren sich auf den sozialen zu einem konstanten Rauschen, in dem harte von vermeintlichen Fakten kaum mehr auseinanderzuhalten sind. Daraus ist eine grundsätzliche Skepsis gegenüber offiziellen, anerkannten Einschätzungen erwachsen, Stichwort Experten-/Eliten-Bashing.

Während sich der Journalismus tendenziell auf dem Rückzug befindet, steht die Wissenschaft unter Rechtfertigungsdruck: Wer öffentliche Gelder verlangt, muss darstellen können, dass sie sinnvoll eingesetzt werden. Die Wissenschaft ist also darauf angewiesen, dass ihre Ergebnisse nicht nur innerhalb der eigenen Szene diskutiert werden, sondern auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dafür braucht es die verschiedenen Felder der Wissenschaftskommunikation und des Wissenschaftsjournalismus. (siehe dazu auch diese Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina von 2014).

Bei der Wissenschaftskommunikation ist der Wissenschaftler direkt in die Kreation der Informationsvermittlung involviert. Beim Wissenschaftsjournalismus ist er Quelle, der Journalist ist der Vermittler. Es kann für den Forschenden nur förderlich sein, wenn er die einzelnen Instrumente kennt.

In den nächsten Tagen werde ich deshalb ein paar Posts zum Thema aufschalten.